Von Bedürfnissen und sich verstanden fühle

Bedürfnisse haben, darüber zu sprechen, sich verstanden fühlen und noch zusätzlich empathisch sein – wie wundervoll wäre dann das Leben?
Was für ein großartiges Abenteuer, denken Sie.
Das ist kein Abenteuer.
Über Bedürfnisse zu sprechen hilft in den meisten Situationen und lindert sogar den Konflikt.

Was sind Bedürfnisse?

Bedürfnisse, das sind Wünsche, Ansprüche, sowie Angestrebtes und Lebensnotwendiges.
Das können Bedürfnisse nach Nähe und Austausch, als auch nach Essen, Trinken oder Schlafen, oder nach Gerechtigkeit, Zugehörigkeit, Entwicklung usw. sein.
Der Bedarf danach ist verschieden und jeder Mensch hat eigene Bedürfnisse, die nicht stets den Bedürfnissen des Gegenübers gleich sind.
Marshall B. Rosenberg, der Gründer und Entwickler des Konzepts der “Gewaltfreien Kommunikation“, sagt dazu:
„Bedürfnisse sind grundsätzlich etwas Positives.
Etwas was wir benötigen, damit wir leben können und uns zufrieden fühlen.“

Wie entsteht ein Konflikt?

Neurobiologisch passiert in unserem Kopf folgendes.
In unserem Stammhirn, sind seit der Evolution des Menschen, drei Möglichkeiten angelegt.

In einer Konfliktsituation reagieren wir, indem wir:

• angreifen
• flüchten
• erstarren

Jeder Konflikt wird noch zusätzlich von Emotionen begleitet.
Je stabiler eine Beziehung ist, umso besser lässt es sich diskutieren, ohne dass dabei ein Konflikt entsteht.
Werden jedoch die Grenzen des Gegenübers nicht gewahrt, können die nachfolgenden Themen Konflikt-Auslöser sein.

• das Revier = mein Arbeitsplatz, meine Seite des Sofas, mein Auto, etc. wird nicht respektiert
• der Rang = jemand spricht mir meine Kompetenz ab
• die Balz = jemand wirbt um meinen Partner

dazu kommen noch die „menschlichen“ Auslöser

• Kränkung

• Projektion und Übertragung

Ein Konflikt entsteht, wenn jemand glaubt, dass

• sein Bedürfnis eine größere Berechtigung hat als das seines Gegenübers
• er sich durchsetzen muss
• die Wertvorstellungen gegenteilig sind

In einer aufrechten Kommunikation geht es nicht um richtig oder falsch, dem sogenannten “Recht haben wollen“, sondern darum, wie die unterschiedlichen Bedürfnisse befriedigt werden können.

Was können Sie zukünftig tun, um Ihre Bedürfnisse zu formulieren und sich verstanden zu fühlen?
Zuerst ist es wichtig das Bedürfnis klar zu formulieren und keine Forderung auszusprechen. Jede ausgesprochene Forderung endet meist in einem Streitgespräch.

Dazu ein Beispiel:
Sie sitzen mit Ihrem Partner im Auto auf der Fahrt zu Freunden.
Üblicherweise kontrollieren Sie, ob die Haustür gut verschlossen ist.
Der Grund:
Ihr Partner möchte sicher gehen, dass niemand problemlos in seine Privatsphäre eindringen kann.
Dahinter steckt das Bedürfnis nach Sicherheit.
Als sie wieder zu Hause sind, bemerkt ihr Partner, dass die Tür unverschlossen war, ist enttäuscht und regiert darauf mit einer Forderung:
Schließ ab sofort immer die Haustür ab!

Strategie Nr. 1:
Keine Entschuldigung.

Sie werden sich nicht bei Ihrem Partner entschuldigen.
Denn sich zu entschuldigen impliziert, dass Sie sich schuldig gemacht haben.
Sie sind Erwachsen und es ist wertvoller, dass Sie Verantwortung übernehmen.

Strategie Nr. 2:
Bedauern.

Ich bedauere sehr, dass ich die Haustüre nicht verschlossen habe, da ich weiß, wie wichtig Dir Sicherheit ist.

Strategie 3:
Verständnis.

Machen Sie sich bitte bewusst, wer Verständnis für sein Gegenüber aufbringt, der hat Köpfchen und nimmt die Bedürfnisse des Partners ernst.

Machen Sie sich bewusst, Sie ersparen sich viel Konfliktpotential, wenn Sie Ihr Gegenüber verstehen und nicht in Verteidigung gehen oder angreifen.

Konflikte sind unvermeidbar. Doch wie wir damit umgehen, das liegt einzig und allein an uns.

Ich wünsche Ihnen eine großartige Woche.

Passen Sie gut auf sich auf.
Ihre
Sabine Lahme