Auf die Plätzchen fertig los

Für die einen sind es nur schlichte Plätzchen, für die anderen ein altes Weihnachtsritual.

Doch woher kommen sie, die Geschichten über das Plätzchen-Backen?
Weshalb naschen, kaufen oder backen wir diese so gerne zur Weihnachtzeit?

Doch woher kommt der Kult zur Weihnachtszeit Plätzchen zu backen?

Wir alle verbinden mit der Weihnachtszeit auch das Backen von Plätzchen.
Als Kind habe ich es geliebt, mit meiner Großmutter den Teig vorzubereiten.
Dann, wenn es in der Küche nach Hühnersuppe duftete, der Herd angeheizt wurde, es nach Zimt, Orange, Zitrone, Nüssen oder anderen Zutaten roch, dann war sie da, die vorweihnachtliche Zeit, in der bei uns zu Hause Plätzchen auf schwäbisch „Bredla“ gebacken wurden.
Ausrollen, ausstechen, spritzen bis hin zum aufwendigen Dekorieren mit Schokolade, Zuckerguss oder Streusel, das war für mich der Brauch des Plätzchenbackens.
Dazu 3 Geschichten.

Geschichte Nr. 1

Im Mittelalter war es schwierig für die Menschen durch den harten Winter zu kommen.
Die meisten Erdenbürger waren arm und konnten im Winter nur von der Ernte leben, die sie den Sommer über eingefahren hatten.

Obst wurde gedörrt, Fleisch gepökelt und das Mehl wurde nur dann gemahlen, wenn es sofort verbraucht wurde.
Milch und Eier gab es im Winter nur dann wenn genügend Kühe und Hühner vorhanden waren die diese Zutaten lieferten.
Die Winter waren lang und dunkel und die Menschen lebten von den Nahrungsmitteln, die vorhanden waren.
Eine Zeit der Not, in der Plätzchen nur dann gebacken wurden, wenn es der Vorrat zuließ. Zudem waren Plätzchen eine gute Speise um über den Winter zu kommen, da diese viel Fett enthielten und lange haltbar waren.

Geschichte Nr. 2

In den Klöstern wurde alljährlich die Geburt Jesu gefeiert. Zu diesem Fest wurden köstliche Plätzchen und Kekse gebacken und als Gaben an die armen Leute verteilt.
Denn für diese Menschen waren weder Zucker noch Gewürze erschwinglich.
Kekse und Plätzchen sind recht lange haltbar und enthalten viel Fett.
Es war also ein ideales Winteressen.
Plätzchen waren Gaben an die Armen. Dadurch wurden sie zu etwas Besonderem und bereiteten den Armen in der Zeit der Besinnlichkeit ein wenig Freude.

Geschichte Nr. 3

Diese Geschichte geht zurück in das 18. Jahrhundert, in die Zeit der Seefahrerei.
Orientalische Gewürze, Sitten und Gebräuche aus anderen Ländern eroberten die Welt.

Und mit den Gewürzen zog auch der Tee ein in die Häuser – vor allem in die englischen.
Dazu wurde, wie sollte es auch anders sein, köstliches Gebäck gereicht.
Dieses Ritual, zu Tee oder Kaffee, Plätzchen zu reichen, haben wir übernommen und reichen auch noch heute Plätzchen für Tea- oder Coffee-Time.

So wie früher in der feinen Welt der Reichen und Schönen, essen wir auch noch heute kleine Gebäckstückchen, vor allem zur Weihnachtszeit.

Mal mit Nüssen, mal mit Marzipan und vielleicht auch ab und an mit Schokolade verziert. Ganz aktuell sogar vegan oder Laktose frei.
In manchen Regionen Deutschlands sagen die Menschen zum kleinen feinen Backwerk „Platz“ oder „Plotz“.
Das steht mundarttechnisch, für kleiner, flacher Kuchen und daraus entstand das Wort Plätzchen.

Mir persönlich hat es die Geschichte von “ Gretl Zottmann“ angetan, wie der Elisen-Lebkuchen zu seinem Namen kam.

Um die Gegend von Nürnberg gab es früher (und auch noch heute) Lebküchner.
Zu dieser Zeit war des Königs Töchterlein schwer erkrankt und aß nicht mehr.
Der König rief 1000 Gulden aus, für den, der seinem Töchterchen helfen würde.
Ein sehr tüchtiger Lebküchner hörte davon, dessen Töchterlein selbst vor Jahren krank war und gestorben war.
So tüftelte er eines Abend zu später Stunde in seiner Backstube mit Honig, Gewürzen, Mehl und allerlei köstlichen Zutaten, formte daraus kleine Küchlein und schob diese in den Ofen.
Als er das Backwerk aus dem Ofen nahm, war die gesamte Pracht ineinander gelaufen und zu einem Klumpen gebacken.
Verärgert lies er alles stehen und ging zu Bett.
Als er am nächsten Morgen erwachte fand er in der Backstube ein Papier, das zuvor nicht dort war.
Er rief seine Frau und bat diese das Papier zu kosten.
Es schmeckte weder süß noch salzig und zerlief auf der Zunge.

„Versuche es doch unter die Backware zu legen;“ bat seine Frau ihn. Der Lebküchner bestrich das Papier mit dem restlichen Teig des Vortags, schob es in den Backofen und ein wundervolles Gebäck kam heraus, das so wundervoll schmeckte, wie nie eines davor.
Er brachte es dem König um es dem Töchterchen zu reichen. Die es aß und wieder gesund wurde.
Die Frau des Lebküchners hatte in der Zwischenzeit ein goldenes Haar gefunden, so wie das Haar ihrer verstorbenen Tochter aussah.
Und weil diese Elise hieß, wurden ab dieser Zeit die Lebkuchen – Elisen-Lebkuchen getauft.

Erinnern Sie sich beim Backen Ihrer Lebkuchen an diese wundervollen Plätzchen-Geschichte.

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Woche.

Passen Sie gut auf sich auf.
Ihre
Sabine Lahme