Ich liebe dich nicht mehr! Oder doch?

In 41Prozent aller Haushalte in Deutschland lebt nur eine Person- so viele Singlehaushalte wie heute gab es noch nie.
Erschreckt uns diese Zahl?
Irgendwie schon.
Und dann auch wieder nicht. Es ist fast die Hälfte aller Haushalte.

Doch, wenn man sich umschaut, dürfte sie uns gar nicht wundern.
Ob mit zwanzig, vierzig, oder sechzig, getrennt wird sich immer.
Immer öfter. Immer schneller. Überall um uns herum.

Doch immer noch ist es eine Schlagzeile, wenn sich Promis oder Politiker nach vielen gemeinsamen Ehe- oder Beziehungsjahren trennen.
Im Bekanntenkreis sind Patchworkfamilien, neue Partner, Alleinstehende längst ebenso normal.
“Es passte einfach nicht mehr“, ist die nicht viel sagende, aber anscheinend triftige Begründung.
Aber was genau soll denn nicht mehr passen, was Jahre lang sehr gut passte?

Können sich Menschen wirklich derart verändern und auseinanderleben, dass eine Partnerschaft, die gewisse Grundlagen hatte, nicht mehr funktioniert oder geben Paare zu schnell auf?

Die wenigsten sind ja Beziehungen im Teenageralter die wenig Zukunft versprechen.
Nein, es sind Beziehungen, die oft viele gute Jahre hatten, in denen ein gemeinsamer Lebensweg beschritten wurde und Lebenseinstellung gelebt wurde.
Dennoch passt es dann nicht mehr?
Dennoch lohnte es sich nicht an der Beziehung zu arbeiten? Diese wird für die Karriere oder eine neue Idee vom Leben aufgegeben?

Es sind eben nicht nur die Teenager, die ihre Partner schnell ablegen.
Die Schnelllebigkeit hat längst alle Altersgruppen erreicht.
Altes wird abgelegt wie ein zu heiß gewaschener Pulli, der nicht mehr ins Konzept passt. Schon gar nicht in ein gerade neu entworfenes ICH.

Neuer Job, neue Aufgaben, neue Stadt, neue Freunde sind oft der Anfang vom Ende.
Neue Möglichkeiten schaffen neue Gelegenheiten.
Ist auch alles akzeptabel, das Leben und auch wir selbst dürfen uns ja durchaus verändern. Es ist nur die Frage, ob der Wert einer Beziehung nicht manchmal mehr wiegt, als ein neues aufpoliertes Ego.

Die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten einen neuen, vermeintlich besseren, passenderen Partner zu finden, sind heute wie nie zuvor gegeben.
Nicht nur durch das Internet, sondern auch durch die Gesellschaft.
Denn, war es früher verpönt und wurde kritisch gesehen, wenn sich jemand trennte und einen neuen Partner suchte, ist es heute gesellschaftlich voll akzeptiert.
Eine Entwicklung, die mit Toleranz zu tun hat und sicher gut ist, aber bei der vielleicht auch Werte wie Beständigkeit und Treue verloren gehen.

Waren das nicht mal Werte, die sich ein Paar versprochen hatte?
Treue, Loyalität und Respekt?

Natürlich gibt es Beziehungen, bei denen es besser ist sich zu trennen, die nie aus solchen Werten bestanden und in der niemand je glücklich war.
Diese Beziehungen meine ich nicht.
Ich meine die Guten, die mal gut waren, die, die mal eine Grundlagen hatten.
Menschen, die mal eine Einheit waren.
Beziehungen, in der einer Karriere machte, und der andere ihm den Rücken frei hielt.
Die zusammen besser funktionierten, als allein.

Diese Beziehungen müssten es doch wert sein, der Schnelllebigkeit Stand zu halten.
Inne zuhalten beim Angebot des neuen Jobs, der eigenen Verwirklichung und nachzudenken, ob der Partner nicht Teil einer Neuausrichtung sein kann, anstatt ihn abzulegen.

Vielleicht ist die Beziehung gar nicht am Ende.
Vielleicht können neue Ideen, der neue Job und die neue Aufgabe, die neuen Lebensumstände auch mit dem “alten“ Partner verwirklicht werden.

So wie man vor vielen Jahren auch etwas aufgebaut hat.
Wieso sollte man das nicht wieder tun können?

In der Schnelllebigkeit unserer Zeit, könnte etwas mehr Beständigkeit doch nicht schaden.

Ich wünsche Ihnen eine nachdenkliche Woche.

Passen Sie gut auf sich auf.
Ihre
Sabine Lahme