Mutmaßungen und Unterstellungen

Mutmaßungen und Unterstellungen sind große Probleme in Beziehungen.
Sowohl im Beruf als auch in der Partnerschaft wiederfahren sie uns täglich.

Hinter Unterstellungen und Mutmaßungen stecken meist Ängste
(nicht genug zu sein, nicht gemocht zu werden etc.), nicht geäußerte Wünsche und Bedürfnisse sowie missinterpretierte oder fehlende Beachtung.

Statt zu sprechen, mutmaßen und unterstellen wir und geben dadurch unserem Gegenüber nicht die Chance etwas zu verändern. Wie auch, wenn wir über das was wir unterstellen oder mutmaßen schweigen und unsere Wünsche und Bedürfnisse nicht klar artikulieren.

Dazu eine wahre Geschichte:

Ein Kollege begegnet auf dem Gang seiner Kollegin.
Ihm fällt auf, dass diese seit Wochen wieder gutgelaunt und motiviert zur Arbeit kommt.
Er fasst sich ein Herz und fragt, was denn der Grund der guten Laune ist.
Sie berichtet, dass der Job, sie unfassbar genervt und ausgelaugt hatte und sie auf dem Weg war zu kündigen. Doch bevor sie das tat, hätte sie sich einen Coach gesucht mit dem sie über Ihre Situation gesprochen hätte.
Ergebnis:
Der Coach hat meinen Blickwinkel verändert, so erzählte sie.
Nun bin ich neu motiviert für meinen Job und gehe gerne wieder zur Arbeit.
Der Kollege fragte nach der Adresse.
Die Kollegin bittet den Kollegen in ihr Büro, schnappte sich einen rosaroten Aufkleber und schrieb Vorname, Nachname und Handynummer auf das Papier.
Freudig bedankte sich der Kollege und ging zurück an seinen Arbeitsplatz.

Einen Tag später begegneten sich beide wieder auf dem Gang.
Du glaubst nicht, was mir gestern wiederfahren ist, sagte er.
Ich hatte den rosaroten Kleber auf die Innenseite meines Laptops geklebt.
Als ich nach Hause gekommen bin, sagte ich zu meiner Frau, dass ich später noch etwas arbeiten möchte und deshalb den Laptop mit ins Schlafzimmer nehme.
Gesagt, getan.
Als meine Frau ins Bett kam sah sie den Zettel, der oben rechts in der Ecke klebte. (rosafarbener Herzaufkleber)
Gleichzeitig bemerkte sie, dass ich auf der Homepage der Lebens-Linie einen Artikel las.
Statt mich direkt anzusprechen, stellte sie mir die Frage:
Schatz, haben wir ein Problem?

Ein klassischer Fall von Unterstellung oder Mutmaßung.
Was war passiert?

Der Ehemann hatte verpasst über sein Treffen mit der Kollegin zu sprechen und von der Adresse des Coachs zu erzählen.
Die Ehefrau hat versäumt das zu sagen, was sie gesehen und daraus gemacht hat. (Jetzt nimmt er schon den Laptop mit ins Bett. Er hat gar keine Zeit mehr für mich.)

Was hilft ist reden.
Reden Sie über das was Sie wahrnehmen.
Sprechen Sie über Ihre Wünsche und Bedürfnisse.
Machen Sie sich bewusst, wenn sie dauerhaft ihrem Gegenüber etwas unterstellen, dass Sie Ihn damit in eine Ecke drängen.

Und um so viel schlimmer, wenn Ihr Gegenüber das noch nicht einmal weis.

Vertrauen Sie auf das Sprechen.

Ich wünsche Ihnen eine kommunikative Woche.
Passen Sie gut auf sich auf.

Ihre
Sabine Lahme